Winterfütterung – so geht’s richtig!

Es wird Zeit, den Tisch zu decken – Tipps zur Vogel-Winterfütterung

Blaumeise am Meisenknödel
Blaumeise am Meisenknödel

Im Vergleich zu den letzten Oktobertagen ist es schon richtig „schattig“ geworden draußen. Erste leichte Nachtfröste gab es bereits und es sind ja nur Vorboten. Wer den Vögel über die kalte und futterarme Jahreszeit helfen möchte, muß jetzt damit beginnen. Es ist an der Zeit, die Piepmätze an die Futterplätze zu gewöhnen, damit sie, wenn die ersten länger anhaltenden Schneefälle einsetzen oder richtig kräftiger Bodenfrost die natürlichen Nahrungsquellen zum Erliegen bringen, bereits ihre neuen Futterquellen kennengelernt und angenommen haben.

Rotkehlchen (links) behaupten sich am Futterplatz
Rotkehlchen (links) behaupten sich am Futterplatz

Es ist ganz sicher nicht damit getan, einen Meisenring- oder Meisenknödel in den Gartenbaum zu hängen, wenn man auch Rotkehlchen, Zaunkönig, den Zeisigen und Gimpeln etwas Gutes tun möchte. Unter uns Vogelfreunden, selbst die Sperlinge nehmen lieber kleine Sämereien an, als Hanf- und Sonnenblumenkerne. Letztere werden fleißig im Schnabel von links nach rechts und wieder zurück in die andere Richtung „geknabbert“. Nur selten lohnen sich Mühe und aufgewandte Energie, die Schale platzt auf und der Sperling kommt an den begehrten Blumensamen. Grobe Sämereien, wie eben die der Sonnenblumen,

KLeiber - auch als "Spechtmeise" bekannt - an Meisenknödeln
KLeiber – auch als „Spechtmeise“ bekannt – an Meisenknödeln

des Hanfes oder Cardisaat sind was für Gimpel, Kohlmeisen, Grünfinken und Kernbeißer. Die haben entsprechend kräftige Schnäbel und knacken die Schalen spielend beziehungsweise Kohlmeisen und Kleiber „meißeln“ die ja richtiggehend auf.. Buchfinken, Sperlinge, Heckenbraunellen, Erlen- und Birkenzeisige, Stieglitze und auch Rotkehlchen benötigen was Feines: Hirse, Lein, Negersaat, Mohn, Hühnerhirse, Raps, ungebeizten Grassamen. Das sollten so die wichtigsten Saaten sein für diese Gruppe unserer Wintergäste, zu der wir auch alle anderen Meisenarten zuordnen dürfen.

Seltene Gäste - Schwanzmeisen
Seltene Gäste – Schwanzmeisen

Getrocknete Beeren vom blauen Holunder, die roten Beeren von dem in lichten Wäldern wachsenden Hirschholunder werden von Heckenbraunellen, Rotkehlchen, Zaunkönig gerne angenommen. Auf die Früchte von der Eberesche stehen zudem unsere Drosseln wie die Amseln und Wacholderdrosseln. Besonders großen Gefallen finden an ihnen Seidenschwänze. Die lassen sich allerdings nur selten in unseren Breiten sehen.

Sehr selten zu sehen: der Seidenschwanz
Sehr selten zu sehen: der Seidenschwanz

Für die hier genannten Vogelarten – die Seidenschwänze ausgenommen –  sollte man auf einem Bodenfutterplatz, von Regen und Schnee geschützt, auch sogenanntes „Winter-Fettfutter“ anbieten. Es enthält einen hohen Anteil mit Fett getränkter Haferflochem und wird auch von verschiedenen Körnerfressern gerne zwischendurch angenommen. Dieses Futter wird lose auf den Boden gestreut. Aber bitte nur in Mengen, die im Laufe eines Tages auch weggefressen werden. Wir wollen ja keine Mäuse züchten oder gar ihre größere Verwandtschaft an die Futterplätze locken.

Männchen der Goldammer
Männchen der Goldammer

Fettfutter neben den frei hängenden Meisenknödeln am Boden angeboten, feine Sämereien (Einkaufstipp: im Zoofachhandel auch als „Waldvogelfutter“ oder „Kanarienfutter“ angeboten) in einem Futtersilo und in einem separaten, größeren Futtersilo die großen Samen für Meisen, Dompfaff, Grünfinken und Kernbeißer – so ausgestattet kann sich jeder winterliche Futterplatz sehen lassen. Wenn Sie den Vögeln – besonders den Drosseln – noch etwas Gutes zusätzlich tun wollen, legen Sie einen aufgebrochenen Apfel an den Futterplatz. Der kann dann auch so lange dort bleiben, bis nur noch das Kerngehäuse übrig ist.

Eichelhäher
Eichelhäher

Der Platz selbst muß katzensicher sein. Der Stubentiger darf also keine Möglichkeit haben, sich über eine Distanz von weniger als drei Metern anzuschleichen. Am Futterplatz selbst macht sich eine etwa zwei Meter hohe, schlanke Fichte gut. Sie lockt nicht nur die Vögel an den Futterplatz, sie bietet auch den Vögeln die Gelegenheit, von erhöhter Warte aus, die Umgebung zu beobachten. Besonders Amseln sitzen gerne in den Fichtenzweigen und beobachten aufmerksam die Umgebung. Je nachdem, welche Art Feind sich nähert, ertönt minutenlang ihr Warnton. Ein langgezogenes hohes und wiederholtes „ziiiih“, wenn die Bedrohung aus der Luft kommt – etwa wenn Habicht oder Sperber erblickt wurden. Oder ein lautes, schimpfendes „tack“, „tack“, „tack“, wenn sich eine Katze nähert. Am Futterhaus befindliche Vögel fliegen sofort auf und in die nächste Deckung. Da leistet unsere Fichte gute Dienste.

Vögel finen immer Wasser...
Vögel finen immer Wasser…

Was Sie unter keinen Umständen anbieten sollten, ist Wasser! Vögel nehmen auch bei großer Kälte sehr gerne ein Bad, was böse Folgen haben kann. Besteht keine ausreichende Gelegenheit, das Gefieder zu trocknen, ist das Schicksal nasser Vögel besiegelt. Sie unterkühlen sehr schnell, werden schwach und klamm – sie erfrieren. Wasser brauchen Vögel auch im Winter. Besonders bei Schneelagen ist das überhaupt kein Problem für unsere gefiederten Freunde, da sie dann den Schnee aufnehmen. Was sie übrigens auch mit Rauhreif von Grashalmen machen. Hat es keinen Schnee, so kennen die Piepmätze Bachläufe, Flußufer und andere Möglichkeiten, sich mit dem lebensspendenden Naß zu versorgen. Unterlassen Sie es bitte unbedingt auch, beheizte Vogeltränken aufzustellen. Diese sind im Handel sehr beliebt und werden gerne angeboten, da sie mit zusätzlichen Einnahmen die Kasse füllen. Für unsere Vögel stellen sie jedoch aus vorstehend beschriebenen Grund eine tödliche Gefahr dar.

Was ich zu meinem Entsetzen dieser Tage feststellen mußte: der Handel bietet Futterhäuschen mit Solarbeleuchtung an. Nehemn Sie es mir nicht für übel, aber das ist absoluter Nepp  und reine Geldbeutelschneiderei! 

Noch etwas gibt es, worauf Sie bei der Winterfütterung – neben Küchenabfällen, Brot- und Semmelkrümel als Vogelfutter – im Interesse der Vogelgesundheit verzichten müssen. Insektenfutter! Diese Futtermittel enthalten einen hohen Eiweißanteil und bringen die Vögel zur Unzeit in den Bruttrieb. Das wirkt sich besonders fatal aus, wenn zum Frühjahr hin die Tage wieder länger werden.

Feldsperlinge streiten um die besten Plätze an der Futterampel
Feldsperlinge streiten um die besten Plätze an der Futterampel

Der richtige Zeitpunkt eine Futterstelle mit Vogelfutter zu beschicken, ist nach Einbruch der Dunkelheit. Zu der Zeit stören Sie keine Vögel mehr bei der Nahrungsaufnahme und jetzt nachgefülltes Futter stellt sicher, daß am nächsten Morgen, nach einer langen und kalten Winternacht, die Vögel Ihren Futterplatz nicht umsonst anfliegen. Gerade in den Morgenstunden ist es für die Vögel wichtig, daß sofort Futter zur Verfügung steht. Wenn Sie dann in den frühen Nachmittagsstunden noch einmel je nach Bedarf Futter nachfüllen, sind die Gefiederten bestens versorgt.

Jetzt gilt es, für vernünftige Hygiene am Futterplatz zu sorgen. Das bedeutet vor allem die Futtergereäte regelmäßig zu säubern. Sofern sie mit Fichtengrün versehen sind, dieses zu erneuern und Kotansammlungen auf Futterhäuschen und Boden zu entfernen. Besonders beim Fettfutter ist darauf zu achten, daß keine naßen oder verschmutzten Reste herumgammeln, sprich schimmelig werden!

Streitereien am Futterhaus gehören dazu
Streitereien am Futterhaus so wie hier zwischen zwei Dompfaffen-hähnen gehören dazu. Im Hinter- grund eine landende Kohlmeise.

Worüber Sie sich nicht ärgern sollten: wenn Ihnen ein Specht – möglicher Weise sogar mehrmals – einen ganzen Meisenknödel verzieht. Oder Krähen, Eichelhäher, Elstern und Tauben vorbei kommen. Besonders die Türkentaube kommt gerne auch an’s Futterhaus, das durch eine besondere Bauart am besten vor solch unliebsamen Gästen zu bewahren ist. Am Bodenfutterplatz stören die Türkentauben ohnehin nicht. Sie können für die Tauben Weizen und Gerste mit ausstreuen. Kommen Eichkätzchen zu Besuch, wir die Lage kritischer, da sie einen Futterplatz schnell restlos plündern und für Vögel unbrauchbar machen können. Für die Nager kann man einen weiter entfernten, eigenen Futterplatz mit speziell für sie geeigneten Futtergeräten anbieten und den auch mit den bevorzugten Nüssen beschicken. So haben die possierlichen Eichkätzchen ihren Teil und die Vögel kommen weiterhin nicht zu kurz.

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihrem Winter-Vogelfutterplatz und freuen uns auf Ihren Erfahrungsberichte, gerne auch mit Foto. Da wäre die Veröffentlichung schon fast garantiert… 😉

Nachstehen noch einige Fotos von den Vogelarten, die Sie an einem Futterplatz antreffen können.

Birkenzeisig
Birkenzeisig
stieglitz-feldsperling und gruenfink
Von oben nach unten: Distelfink oder Stieglitz, Feldsperling, Grünfink