Vom alemannischen Rotschwänzle… (Phoenicurus phoenicurus)

Eifriger Insektenjäger, hübscher Geselle und angenehmer Sänger - der Gartenrotschwanz.
Eifriger Insektenjäger, hübscher Geselle und angenehmer Sänger – der Gartenrotschwanz.

…und warum es so selten geworden ist – Der Gartenrotschwanz Vogel des Jahres 2011

Mit seinem auffallenden rostroten Schwanz, der weißen Stirn, der schwarzen Kehle und dem grauen Mäntelchen ist der Gartenrotschwanz einer unserer prächtigsten Kleinvögel. Er brütet fast überall, wo es Höhlen gibt, in die er sein Nest hineinbauen kann. In den Gärten werden Sie den Gartenrotschwanz heutzutage allerdings nur noch in den seltensten Fällen antreffen. Er hat sich in lichte Laubwälder und Parks zurückgezogen. An Flußufern mit alten Bäumen ist er gelegentlich anzutreffen, aber auch in baumlosen Gegenden, falls er dort geeignete Nisthöhlen in Mauern oder Steinbrüchen findet. Am häufigsten trifft man Gartenrotschwänze in alten Laubwäldern, vorzugsweise in mittleren Berglagen. In der Schweiz sollen sie bis in Höhen von 2.000 Metern als Brutvögel anzutreffen sein.

Gartenrotschwänze brauchen Nisthöhlen, wie sie vor allem in alten Obstbäumen zu finden sind. Streuobstwiesen zählen daher zu den typischen Lebensräumen. Mit ihren hochstämmigen Obstbäumen, die ein hohes Alter erreichen können, bieten sie sowohl geeignete Brutplätze als auch die notwendigen Sitzwarten, von denen die Vögel nach Insekten jagen.

weibchen-mit-raupe
Weibchen mit Raupe

Der Gartenrotschwanz nistet auch in künstlichen Höhlen, was seinem Schutz entgegen kommt. Selbst in Erdlöchern hat man die Nester des Gartenrotschwanzes schon gefunden. Das Nest wird mit Haaren ausgepolstert. Das Weibchen legt Mitte Mai bis Juni meist 5 bis 8 hellblaue, spärlich gesprenkelte Eier, die es in etwa 13 Tagen ausbrütet. Beide Eltern füttern die Jungen, die nach rund 16 Tagen das Nest verlassen. Die Nahrung besteht vornehmlich aus Insekten und deren Larven; auch Spinnen und kleine Würmer; im Herbst nehmen sie Beeren und Eibenfrüchte.

Die Balz des Gartenrotschwanzes ist ein kleines Schauspiel, bei dem sich das Männchen nach vorne beugt, den Hals ausstreckt, die Flügel hängen läßt und die Schwanzfedern auffächert, damit das leuchtende Rot zur Geltung kommt. Danach jagt der Hahn das Weibchen von einem Ast zum nächsten. Jedesmal dort angekommen, wippen sie dabei schnell mit dem Schwanz und lassen ein Schnarren hören.

Der Gesang des Gartenrotschwanzes beginnt mit einem kräftigen, gequetschten Triller und klingt mit zaghaften zwitschernden Tönen aus. Nur gelegentlich ahmen Gartenrotschwänze Laute anderer Vögel nach. Der Stimmfühlungslaut, mit dem Gartenrotschwanzpaare untereinander Kontakt halten, ist ein langezogenes „Huit“, der Alarmruf hingegen ein lautes und scharfes „tui-tick-tick“. Dabei geht der Vogel schnell federnd in die Knie und wippt einem Schnäpper ähnlich mit dem Schwanz.

Junger Gartenrotschwanz kurz vor dem Ausflug
Junger Gartenrotschwanz kurz vor dem Ausflug

Mitte des letzten Jahrhunderts konnte man den Gartenrotschwanz noch in jedem ländlichen Garten, selbst in Kleinstädten antreffen. In Zeiten, in denen Obstbäume und Beerensträucher in den Gärten als störend und arbeitsintensiv empfunden und abgeholzt, jede Ameise und jede Blatlaus mit der chemischen Keule erschlagen werden, ist für den munteren Insektenjäger kein Platz geblieben. Selbst Bauerngärten leiden zunehmend unter Verarmung an geeigneten, standortgerechten Bäumen und Sträuchern wie Birne, Johannisbeere und Holunder. Damit ist die Nahrungsgrundlage nicht nur des Gartenrotschwanzes weitgehend auf der Strecke geblieben. Hinzu kommt, daß sich bei fast keinem landwirtschaftlichen Betrieb mehr ein Misthaufen finden läßt. Unsere Nasen danken das zwar, den Insektenjägern fehlt natürlich eine überlebenswichtige Nahrungsquelle.

Der Bestand des Gartenrotschwanzes in Deutschland wird aktuell auf 110.000 bis 160.000 Brutpaare geschätzt. Noch vor 30 Jahren war er etwa drei- bis viermal so hoch. Neben Obstwiesen erlangen strukturreiche Kleingartenanlagen mit altem Baumbestand zunehmend Bedeutung bei der Erhaltung des Gartenrotschwanzes. Hier findet der Gartenrotschwanz oftmals letzte Rückzugsräume. Zum Schutz des schlanken, etwa 14 Zentimeter großen Singvogels, wird auch ein Umdenken bei der Gestaltung von Gärten und Parks gefordert, denn der Gartenrotschwanz braucht abwechslungsreiche Landschaften. In passender Umgebung kann dem Vogel des Jahres 2011 dann auch mit speziellen Nistkästen geholfen werden.

Spezieller Holzbeton-Nistkasten für Gartenrotschwänze
Spezieller Holzbeton-Nistkasten für Gartenrotschwänze

Dieser Nistkasten aus Holzbeton bietet all das, was Gartenrotschwänze bei der Wohnungssuche bevorzugen. Kein Wunder, schließlich ist dieses Nistkastenmodell speziell für diese Bedrüfnisse entwickelt worden – auch wenn gelegentlich andere Mieter einziehen. Wenn Sie auf das Bild klicken, werden Sie zur Website des Herstellers weitergeleitet. Ob Sie nun einen solchen Holzbeton-Kasten erwerben oder lieber selbst Hand anlegen und einen Nistkasten selbst basteln wollen, wichtig ist ein fachgerechter „Marderschutz“ hinter dem Einflugloch, der auch gefiederte Nesträuber von Gelege und Jungvögeln fernhält. Daß dieser Schutz dringend geboten ist, beweist das nachstehende Foto.

Elster und Eichelhäher lernen schnell an die Beute in NIstkästen zu kommen. Hier hilft nur eine spezielle Schutzvorrichtung hinter dem Einschlupfloch, der sogenannte "Marderschutz".
Elster und Eichelhäher lernen schnell an die Beute in NIstkästen zu kommen. Hier hilft nur eine spezielle Schutzvorrichtung hinter dem Einschlupfloch, der sogenannte „Marder-schutz“.

 

 

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