Überraschungsküken – und das Mitte August

Wildvögel haben Brutsaison noch nicht abgeschlossen!

Nestling - Heute die Augen geöffnet
Der Beweis: Brutsaison noch nicht abgeschlossen

Dieser Knirps hier wurde gestern Abend, also am 12. August 2015, nachts um kurz vor 22 Uhr von einem Pferd im Stroh seiner Box aufgestöbert. Die aufmerksame Reiterin wollte wissen, was den der Vierbeiner so unablässig und neugierig auf dem Boden beäugte. Als sie das Vogelküken entdeckte, war auch bald das außerhalb der Reichweite jeder Leiter befindliche Nest im Dachgebälk des Stalls ausgemacht. Da der Vogel nicht dorthin zurückgesetzt werden konnte, erhielt er erst einmal eine Portion frisch gefangener Stallfliegen, schließlich weiß man sich als ehemalige Papageienpäpplerin zu helfen. Eine knappe dreiviertel Stunde später – für die Fahrtstrecke dauert es nun einmal so lange –  wurde der Nestling bei mir abgegeben.

Das „Überraschungküken“ dürfte etwa 12 bis 13 Tage alt sein, da es heute Vormittag zum ersten Mal in die Welt blinzelte. Noch sperrt der Jungvogel artig, wenn Fütterungszeit ist. Ernährt wird er mit dem Futterbrei „NutriBird A 21“ der Firma Versele-Laga, den ich als Vogelzüchter ganzjährig auf Vorrat habe. Dazu gibt es frisch gefangene Fliegen, selbstgemachtes Eifutter und auch ein paar Mehlwürmer. Die Umstellung von seinem natürlichen Futter auf das neue Ernährungsangebot scheint problemlos zu verlaufen.

Das Bemerkenswerte an der Geschichte ist allerdings die Widerlegung einer von vielen Gartenbesitzern immer wieder aufgestellten Behauptung, Mitte bis Ende Juli sei die Brutsaison unserer heimischen Vogelwelt abgeschlossen (für manche Arten mag das gelten) und man könne sich getrost wieder dem Hecken- und Baumschnitt oder gar ihrer Rodung zuwenden. Auch wenn das Nest, aus dem der kleine Piepmatz gestern fiel, unter einem Stalldach gebaut wurde, muß auch der hartnäckigste Verfechter dieser Theorie die Mär vom Ende der Brutsaison damit zu „den Akten“ legen.

Um was für einen Sangeskünstler es sich bei dem Küken handelt, kann noch nicht sicher ausgesagt werden. Es sollte sich jedoch zumindest der Schnabelform nach um einen Körnerfresser handeln. Ein Sperling scheint wahrscheinlich.  Über den Fortschritt seiner Entwicklung werde ich berichten.