Meisterlicher Sänger mit seltsamen Namen (Sylvia atricapilla)

Die Mönchsgrasmücke

Hahn der Mönchsgrasmücke beim Sonnenbaden
In perfekter Tarnfarbe schlüpft der „Mönch“ durch das dichte Geäst von Sträuchern und Feldhecken

Was es mit dem Namensbestandteil “Mönch” auf sich hat , ist deutlich zu sehen, schwieriger wird es mit dem Namensteil “Grasmücke”. Hier hilft ein Blick in das Mittelalter. Der zu jener Zeit gebräuchliche Name “Grauschmiege” bezog sich auf die Eigenschaft des Vogels, sich im Halbdunkel des Blätterdaches aufzuhalten und sich im Verborgenen zu bewegen; er bezeichnete die Eigenschaft, sich dem Grau der Umgebung anzuschmiegen. Durch Lautverschiebungen wurde aus der “Grauschmiege” im Laufe der Jahrhunderte die “Grasmücke”.

Die Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla) gehört zur 19 Arten umfassenden Gattung der „Grasmücken”. Ihr Ruf ist ein schnarrendes “Tscharr” oder ein aufgeregtes und in schneller Wiederholung vorgetragenes “Tack” oder “Täck”, wenn sie beunruhigt ist. Je aufgeregter, umso schneller werden die schnarrenden Rufe wiederholt. Die Mönchsgrasmücke zeichnet sich ansonsten durch ihren wohlklingenden Gesang aus. Das Männchen singt meist an einem gut versteckten Singplatz in seinem Territorium. Nach einem zwitschernden Vorgesang schwingt es sich zum Überschlag auf, einer geflöteten Schlussstrophe mit eingeflochtenen Motiven aus dem Gesang anderer Vögel, die plötzlich abbricht. Mönchsgrasmücken sind Dialektsänger und bieten je nach ihrer regionalen Herkunft ganz unterschiedliche Gesangsvorträge, die im letzten Jahrhundert noch in regelrechten Wettsingen von Liebhabern bewertet wurden. Besonders die Schlussstrophe mit Überschlag und bei sehr guten Sängern eben mit doppeltem Überschlag ist bei Kennern des Schwarzblattlgesangs sehr beliebt.

WeibchenDas Balzverhalten des männlichen Mönchs beschreibt ein Beitrag der Schweizer Vogelschutzwarte sehr treffend: „Beim Balzen richtet das Männchen die Scheitelfedern auf und plustert sein Körpergefieder, manchmal lässt es die Flügel hängen, ein andermal schlägt es damit, oder es fächert den Schwanz und stellt ihn auf.“ Es folgt die Vogelhochzeit unter dichtem Blätterdach und bald darauf ein Gelege mit 4 bis 6 weißen, grünangehauchten, braun marmorierten Eiern. Das Brutgeschäft wird von beiden Partnern verrichtet und nach rund 12 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie werden von beiden Eltern gefüttert und verlassen nach etwa 10 Tagen das Nest.

KopulationMönchsgrasmücken gehören zu den verbreitetsten Brutvögeln Mitteleuropas. Sie kommen als Brutvögel in fast ganz Europa, Nordwestafrika und in Kleinasien vor; selbst im Nordiran und Westsibirien sind sie anzutreffen. Bei uns in Deutschland kommen sie in der Regel schon Ende März, hauptsächlich jedoch im April an und besetzen die Reviere. In diesem Jahr (2010) sind die Mönchsgrasmücken z. B. im Raum Landshut sehr spät zurückgekehrt; der erste Mönch ließ sein Lied erst am letzten Apriltag vernehmen.

Die obige Aufnahme darf als Rarität betrachtet werden, denn Mönchsgrasmücken lassen sich nicht so einfach bei der Kopulation beobachten.

Mönchsgrasmücken nisten in Wäldern, Aufforstungen, Hecken, Feldgehölzen, in Parks und Gärten. Ihre locker geflochtenen Nester hängen wie Körbchen in Zweigen von Bäumen oder Sträuchern. Es wird überwiegend vom Weibchen in nicht besonders stabiler Bauweise aus trockenem Gras gebaut und innen mit Haaren und feinen Würzelchen ausgelegt.

Hahn mit BeereBei der Nahrungssuche bleiben sie meist im Gebüsch verborgen, oder sie fliegen ruckartig von einem Versteck zum anderen. Dabei ist die Ruffolge „tack“, „tack“, „tscharrr“ als eine Art Stimmfühlungslaut zwischen den Partnern stets zu hören. Die Mönchsgrasmücke ist ein eifriger Insektenjäger mit einer Vorliebe für Blattläuse. Ihre bevorzugte Nahrung sind jedoch Beeren. Sind solche erst einmal reif, haben Insekten gute Überlebenschancen. Sie lieben Holunderbeeren und die kleinfruchtigen, roten Johannisbeeren. – Sträucher, die heute vor ddem Hintergrund überzüchteter Fruchtgiganten in kaum mehr einem Garten eine Chance bekommen.

Neue Art gebildet:

Die Mönchsgrasmücke ist eine der besten erforschten Vogelarten und ihr verdanken wir auch einen nie für möglich gehaltenen Einblick in die Evolution. Was meist erst nach vielen tausenden oder gar Millionen von Jahren sichtbar wird, ist in der Evolution der Mönchsgrasmücke bereits jetzt in rund einem halben Jahrhundert sicht- und nachweisbar geworden. Bei Untersuchungen von Morphologie und Genetik der Vögel im Labor der Wildtierbiologie in Freiburg wurde herausgefunden, dass die Mönchsgrasmücken, die seit einigen Jahrzehnten in Großbritannien überwintern, sich genetisch von ihren Nachbarn, die am Mittelmeer überwintern, unterscheiden. Dabei konnten die Forscher zeigen, dass sich die Populationen gegenwärtig auseinander entwickeln und sich nicht beliebig miteinander fortpflanzen, obwohl die Tiere in unmittelbarer Nachbarschaft brüten. So unterscheiden sich die in England überwinternden Mönchsgrasmücken von jenen, die in den altangestammten Gebieten überwintern u. a. durch rundere Flügel, die ihnen mehr Wendigkeit verleihen. Allerdings wäre diese Flügelform bei einer langen Zugstrecke ans Mittelmeergebiet hinderlich.

neue ArtDie Schnabelform und -färbung sowie die Gefiederfarben der Vögel beider Populationen unterscheiden sich ebenfalls. Und in der Studie konnten auch eindeutige genetische Unterschiede festgestellt werden. Die Kombination aus genetischen und morphologischen Unterschieden zeigt, dass Mönchsgrasmücken sich momentan im ersten Schritt des Artbildungsprozesses befinden, schreiben die Forscher in einer Fachpublikation. Ob allerdings die hier gezeigte Farbvariante (links im Bild) einer weiblichen Mönchsgrasmücke (rechts normale Färbung) eine Auswirkung dieser Artenbildung ist oder andere Ursachen hat, ist unklar. Die Aufnahme entstand im Jahr 2006 am Isar-Stausee nahe München.

Gefährdung / Schutzmaßnahmen:

Die Mönchsgrasmücke wird derzeit auf keiner Vorwarn- oder Roten Liste der Staaten Italien, Schweiz, Österreich und Deutschland geführt; der europäische Gesamtbestand darf derzeit auch auf Grund der hohen Anpassungsfähigkeit der Art als gesichert bezeichnet werden. In den Nachzucht-Statistiken der Vogelzuchtverbände, soweit diese öffentlich zugänglich sind, spielt die Mönchsgrasmücke keine Rolle.


Bericht Rheinischer Merkur

Im Winter 1961 ändert ein Teil der deutschen Mönchsgrasmücken-Population ihr Zugverhalten. Das legte den Grundstein für eine neue Art. Mit eine Ursache – die einsetzende Klimaveränderung. Wanderverhalten bei Klimaveränderung.


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