Die Gabelweihe oder Roter Milan (Milvus milvus)

Typisch der gegabelte Schwanz und die weißen Flächen der Flügel-Unterdecke
Typisch der gegabelte Schwanz und die weißen Flächen der Flügel-Unterdecke

Der Name Gabelweihe ist bezeichnend für den im Flug deutlich sichtbar gegabelten Schwanz des Rotmilans. Milvus milvus gehört in die Familie der Habichtsartigen und ist neben den beiden bereits erwähnten Bezeichnungen auch unter dem Namen „Roter Milan“ bekannt. Der für ihn auch verwendete Name „Königsweihe“ ist eher von regionaler Bedeutung, hingegen der altdeutsche Name “Königsmilan” entspricht der heute noch gebräuchlichen Bezeichnung “Milan royal” im Französischen und “Milano Real” im Spanischen. Übrigens haben Milane mit den Weihen nichts gemein und sind nicht miteinander verwandt, außer natürlich, dass es Greifvögel sind. So betrachtet führen manche weitere Synonyme ebenfalls in die Irre, wie „königlicher Geier“, „Gabelgeier“, Gabelschwanz, Schwalbenschwanz, Schweimer oder „Hühnerweihe“.

Der Rote Milan ist nach den Adlern die stattlichste Greif-Erscheinung in unseren Gefilden und war bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa weit verbreitet. Schon vor über 100 Jahren begann er seltener zu werden. Der Bestand

Kopfstudie Roter Milanerholte sich nach dem 2. Weltkrieg langsam. Milane – ob nun rote oder schwarze – profitierten von den offenen Mülldeponien, die nach dem Krieg mit dem Wirtschaftsaufschwung explosionsartig im ganzen Land entstanden, durch das dort vermehrt anzutreffende Nahrungsangebot. Mit der Sanierung und Abdichtung der Deponien, mit Einführung der verstärkten Müllverbrennung, mit der Zersiedelung des Lebensraumes aber vor allem durch den tödlichen Eintrag von Umweltgiften vornehmlich durch die Landwirtschaft, hat der Bestand der Gabelweihe wieder schweren Schaden erlitten.

Der Bestand des Roten Milans war schon immer starken Schwankungen unterworfen. So wurden 1965 in der Bundesrepublik nur noch rund 400 und auf dem Gebiet der DDR rund 500 Brutpaare gezählt. Vor 10 Jahren, also gleich nach dem Jahrtausendwechsel, wurde der Rote Milan zum „Vogel des Jahres“ ausgerufen. Der Weltbestand – und man halte sich vor Augen, dass sich die „Welt“ des Rotmilans auf Europa und den Kaukasus beschränkt – wurde damals auf 17.400 bis maximal 22.600 Brutpaare geschätzt, davon brüteten in ganz Deutschland 9.000 bis 12.100 Brutpaare. Allein in Ostdeutschland hatte zu Beginn der 90iger Jahre der Brutbestand zwischen 8.000 und 9.000 Paaren gelegen. Westdeutschland ist also nicht gerade

Karte mit der Weltpopulation des Roten Milans
Der Weltbestand des Roten Milans (Stat. 2009 Karte anklicken)

„Gabelweihen-Land“. Dies hängt neben der Zunahme von großflächigem Raps- und Maisanbau auch zu einem wesentlichen Teil mit dem in Westdeutschland nur noch äußerst seltenem Vorkommen des Feldhamsters zusammen. Der einstige “Anbauschädling” wurde selbst zu einem Tier der roten Liste und der Rote Milane ernährt sich heute nach dem weitgehenden Ausfall seines Hauptnahrungstieres vorzugsweise von kleinen Säugetieren wie Mäusen und Ratten. Sie gehen aber auch auf Kaninchen und verschmähen keinesfalls eben flügge gewordene Krähen und Möwen. Und sie haben sich eine besondere Jagdeigenschaft zunutze gemacht – sie betreiben „Wegelagerei“ bei anderen Greifen! Das sieht dann so aus, dass sie vorzugsweise Mäusebussarde attackieren und ihnen ihre Beute im Flug entreißen. Der Name „Gabelgeier“ weist schon darauf hin, dass der Rote Milan auch Aas nicht verschmäht.

Gabelweihe, die einen dicht unter der Wasseroberfläche stehenen Fisch gefangen hat und mit der Beute abfliegt
Kleinsäuger, Lurche, Aas und Fische – Gabelweihen sind anpassungsfähige Jäger.

Unter den Gabelweihen gibt es aber auch vereinzelte, regelrechte Nahrungsspezialisten, die sich insbesondere in der Nähe von Teichanlagen eine neue Nahrungsquelle erschlossen haben – sie machen einem Fischadler gleich Jagd auf dicht unter der Wasseroberfläche stehende Fische.

Brutverbreitung des Rotmilans  türkis: Jahresvogel  hellgrün: Kurz- oder Mittelstreckenzieher  gelb-grün schraffiert: Überwiegend Wegzieher  gelb-türkis schraffiert: Überwiegend Standvögel und Wintergäste Nichtbrütende, meist ein- bis zweijährige Milane können zur Brutzeit weiträumig in Frankreich und der Schweiz angetroffen werden. In guten Mäusejahren werden Bruten außerhalb der Kernzonen festgestellt. Überwinternde Rotmilane können überall im Brutgebiet sowie weiträumig in Südwesteuropa, vereinzelt auch in Süd- und Südosteuropa, in Ausnahmefällen auch in Kleinasien angetroffen werden.
Brutverbreitung des Rotmilans
türkis: Jahresvogel
hellgrün: Kurz- oder Mittelstreckenzieher
gelb-grün schraffiert: Überwiegend Wegzieher
gelb-türkis schraffiert: Überwiegend Standvögel und Wintergäste
Nichtbrütende, meist ein- bis zweijährige Milane können zur Brutzeit weiträumig in Frankreich und der Schweiz angetroffen werden. In guten Mäusejahren werden Bruten außerhalb der Kernzonen festgestellt. Überwinternde Rotmilane können überall im Brutgebiet sowie weiträumig in Südwesteuropa, vereinzelt auch in Süd- und Südosteuropa, in Ausnahmefällen auch in Kleinasien angetroffen werden.

Rotmilane sind Zugvögel, die von März bis September im Brutgebiet anwesend sind. Der Abzug beginnt im August. Sie wandern bis nach Südeuropa, dem nördlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika, in kleiner Zahl auch bis in den Nahen Osten. Seit den 50iger Jahren können zunehmend Überwinterungsversuche in den südlich gelegenen Brutgebieten sowie Portugal und Südspanien beobachtet werden. Dabei kommt es zur Bildung von Winterschlafplätzen mit 40 bis 60, manchmal bis zu 200 Vögeln. Diese Schlafplätze werden stellenweise über das ganze Jahr genutzt.

Der Rote Milan benötigt weites, buschreiches Land. Die Randzonen der Mittelgebirge Harz und Rhön sind bei Gabelweihen als Lebensraum sehr beliebt. Seinen bis zu 2 Meter hohen, mächtigen Horst baut der Rote Milan nahe der Wipfel hoher Nadel- und Laubbäume, meist weit über 20 m hoch. Neben Zweigen werden auch Lumpen, Schnüre, Stroh, Plastiktüten, Papierreste, Knochen und Fellreste verbaut. Das künstliche Nistmaterial stellt für die Jungvögel eine große Gefahrenquelle dar, da sie sich darin verheddern und nicht selten qualvoll zu Tode kommen. Gabelweihen verjagen aber auch andere Vögel wie Mäusebussard, Habicht und Krähen aus ihren Horsten und beziehen die eroberten Nester.

 

In normalen Jahren beginnt die Brutzeit Ende April Anfang Mai, sie dauert 28 bis längstens 32 Tage. Das Gelege besteht aus zwei bis drei, selten vier weißen Eiern, die rötlich braun bis violett gesprenkelt sind. An den Schlupf schließen sich 40 bis 50 Tage Nestlingszeit an. In den ersten zwei Wochen schafft das Männchen die Nahrung alleine heran, das Weibchen zerrupft und gibt sie an die Jungen weiter. Nach diesen ersten Wochen wechseln sich beide Altvögel bei der Nahrungsbeschaffung und Fütterung ab.

Die Stimme des Rotmilan ist nur selten zu hören, viel eher wird er durch seinen Flug auffallen. Typisch der gegabelte Schwanz, eine Flügelspannweite von 160 cm (Männchen) bis hin zu knapp 200 cm beim Weibchen. Dazu der bedächtige Flügelschlag mit langen dazwischenliegenden Segelphasen. Der Rote Milan liebt es insbesondere beim Balzflug sich mit Hilfe der Thermik in den Himmel zu schrauben bis er nur noch als winziges Pünktchen auszumachen ist. Hat der Vogel „seine“ Höhe erreicht, stürzt er sich in einem atemberaubenden Schauspiel eines spiralförmigen Sturzfluges, sich dabei um die eigene Achse drehend, in die Tiefe. Kurz über den Baumwipfeln fängt die Gabelweihe ihren Flug ab, geht nach wenigen Flügelschlägen in einen Gleitflug über und schraubt sich bedächtig mit der Thermik wieder in den sonnigen Frühlingshimmel.

Heute brütet weit mehr als die Hälfte des weltweiten Gesamtbestandes von maximal 25.000 Paaren in Deutschland, davon 2/3 in Ostdeutschland. Die Population ist also bedenklich zusammen geschrumpft. Und es geht leider weiter bergab mit der Gabelweihe, ihr Bestand hat gebietsweise deutlich abgenommen, obwohl sie 2002 in die Vorwarnliste für die neue Rote Liste gefährdeter Brutvögel in Deutschland aufgenommen wurde.

Hilfsmaßnahmen:
Schnell wirkende Hilfen für den Rotmilan sind nur schwer durchzuführen. Es bedürfte dazu eines Umdenkens in der Feldbewirtschaftung und einer Reduzierung des Raps- und Maisanbaus. In den bestehenden Brutgebieten können Totholzhecken, wie ich sie an anderer Stelle beschreibe, eine wertvolle Maßnahme sein, um zumindest die Nahrungsquellen für die Gabelweihe wirkungsvoll zu stabilisieren und so die Jungenaufzucht zu erleichtern.

Im Video zu sehen eine Krähenattacke


Quellennachweis Verbreitungskarte:
Wikipedia / Autor: Ulrich prokop ; GNU Free Documentation LicenseCC BY-SA 3.0

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