Das kurze Gastspiel eines Brutschmarotzers

Ein Vertreter der braunen Variante.
Ein Vertreter der braunen Variante.

Unterwegs im Kuckucksrevier

Meist pünktlich zur MItte der dritten Aprilwoche meldet sich mit einem weitschallenden und oft wiederholten Ruf der Kuckuck in der Natur zurück. Nur die männlichen Kuckucke lassen diesen charakteristischen Ruf hören, die Weibchen lassen eine ganz andere Stimme vernehmen, ein lautes trillerndes Kichern. Der Ruf der Weibchen ist so wenig bekannt, weil sie ihn sehr selten hören lassen. Sie führen ein sehr verstecktes Leben.

Nach seiner Ankunft verbreitet sich der Kuckcuk in alle Gebiete, wo er Wirtseltern für seine Jungen findet. Das sind immer Singvögel, die viel kleiner sind als er. Ihnen überläßt er seine Eier, die sie ausbrüten und die Jungen dann aufziehen. Währenddessen ziehen die alten Kuckucke schon im Juli und Anfang August fort.

Auch das kommt vor: Junger Kuckuck im Rauchschwalbennest.
Auch das kommt vor: Junger Kuckuck im Rauchschwalbennest.

Als einzige Vogelart Mitteleuropas zieht der Kuckuck seine Jungen nicht selbst auf, sondern überläßt sie einem anderen Vogelpaar. Brutschmarotzer hingegen sind weltweit nicht so selten, wie früher angenommen; man kennt inzwischen rund 80 weitere Arten, die sich so verhalten.

Der Kuckuck ist so in der Lage, wesentlich mehr Nachkommen zu produzieren, als er selbst je aufziehen könnte. Dabei geht das Weibchen sehr geschickt vor. Es beobachtet sehr genau welche Vogelarten sich in seinem Revier mit dem Nestbau beschäftigen. Die meisten Vögel legen morgens ihre Eier. Der Anblick eines legenden Vogels regt das Kuckucksweibchen an, nachmittags zu legen, qwenn sich die ausgewählten Wirtsvögel meist außerhalb ihres Nestes aufhalten.. Es nimmt ein Ei aus dem Nest, legt seines an dessen Stelle und fliegt dann mit dem gestohlenen Ei weg, frißt es oder läßt es einfach fallen.So verteilt es etwa zehn bis 13 Eierin seinem ganzen revier.

Gelegentlich kommt es vor, daß das Kuckucksweibchen von den Wirtsvögeln überrascht wird. Die versuchen dann, den Störenfried laut schimpfend und mit halbherzigen Attacken zu verjagen. Lediglich von den gegen Neststörer allgemein angriffslustigen Drosselrohrsängern am Neusiedler See ist bekannt, daß Sie den

Ein Kuckucksmännchen im Flug: typisch die weißen Punkte der Schwanzfedern
Ein Kuckucksmännchen im Flug: typisch die weißen Punkte der Schwanzfedern

Kuckuck unter ihr Nest ins Wasser zu drängen versuchen, um ihn dort zu ertränken.

Zu den regelmäßigen Opfern des Kuckucks als Brutschmarotzer gehören Baum- und Wiesenpieper; Schaf- und Bachstelzen; Garten- und Dorngrasmücken; Rotkehlchen und Zaunkönig. Gelegentlich werden auch Hänflingsnester und die Gelege von Goldammern, Feldlerchen, Heckenbraunellen und Rotschwänzen heimgesucht. Damit erschöpft sich der Einfallsreichtum eines Kuckuckweibchens jedoch nicht. Die Eier wurden schon in den Nestern von über 50 verschiedenen Vogelarten gefunden und wie das Bild zeigt, müssen gelegentlich auch Rauchschwalben als Zieheltern herhalten

Kuckuckseier, die zu sehr von denen der Wirtsvögel abweichen, werden von diesen unter Umständen abgelehnt und das Gelege aufgegeben; die Eier aus dem Nest geworfen oder mit einem neuen Nest überbaut. Die Kuckucksweibchen legen deshalb ihre Eier meist in ein Nest der gleichen Wirtsart, von der sie selbst aufguzogen wurden. Dabei ist es zu einer Anpassung der Eier des Brutschmarotzers, zu einer sogenannten Mimikry gekommen. So ähneln Kuckuckseier, die bei Teichrohrsängern oder Wiesenpiepern großgeworden sind, in der Zeichnung denen der Wirtsvögel. Und das bis auf die Größe wahrhaft meisterlich. Es ist jedoch auch das andere Extrem von Teichrohrsängern und Heckenbraunellen bekannt, die Kuckuckseier annehmen, die nicht die geringste Ähnlichkeit mit ihren eigenen Eiern haben.

Junge Kuckucke schlüpfen nach zwölf bis dreizehn Tagen, als noch vor den Jungen ihrer Wirtseltern. Wenige Stunden nach dem schlupf beginnen sie, alles aus dem Nest zu räumen, was sich außer ihnen darin befindet. Sie hieven innerhalb der ersten vier Lebenstage sowohl Eier als auch andere Jungvögel über den Nestrand. Die dann eventuell noch übrigen Jungen des Wirts verhungern in der Regel, da der junge Kuckuck durch sein aufdringliches Wesen, alle angeschleppten Futterrationen für sich beansprucht und durch sein rasches Wachstum die übrigen Nestbewohner unter sich „begräbt“. Nach drei Wochen wird der junge Kuckuck flügge, nach einer weiteren Woche selbständig.

Die eben flügge gewordenen Jungvögel bleiben, nachdem sie ihre Wirtsvögel verlassen haben, noch bis Ende September und machen sich dann auf den Weg in ihre Winterquartiere. Der Orientierungssinn ist ihnen dabei angeboren, da die Altvögel, wie berschrieben, schon lange vor ihnen die Brutreviere verlassen haben.

Ankunftsverlauf in Bayern
Verlauf der Ankunftszeiten in Bayern

Nahezu alle Länder West- und Mitteleuropas melden seit längerem rückläufige Bestände des Kuckucks. In England verringerte sich der Bestand in den letzten 30 Jahren um fast 60 Prozent. Auch in vielen Teilen Deutschlands ist der Kuckuck selten geworden, was vor allem auch dem rasanten Rückgang der Bestände seiner Wirtsvögel geschuldet ist. Lediglich im östlichen Europa scheint der Bestand noch stabil zu sein. In jüngster Zeit kommt die Kuckuckspopulation auch durch die Folgen der Klimaveränderung unter Druck. Da die Wirtsvögel um etwa ein bis zwei Wochen früher aus ihren Winterquartieren zurückkommen, bzw. früher mit der Brut beginnen, kommt der Kuckuck regelrecht zu spät für eine Eiablage zurück. Ist das Gelege der potentiellen Wirtswvögel nämlich vollständig, fehlt der, beim Kuckucksweibchen die Eierprodutkion anregende Anblick, legender Wirtsweibchen. Dummerweise gilt auch hier der Satz „wer zu spät kommt…“

teichrohrsänger-füttert-den-um-ein-vielfaches-größeren-jungkuckuck
Teichrohrsänger füttert den um ein Vielfaches größeren Jungkuckuck.

 

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