Balkon + Garten

Die beiden Bereiche, in denen Vogelliebhaber und Vogelschützer am schnellsten zu einer Verbesserung der Lebensumstände für unsere Gefiederten beitragen können – sofern ihnen eine der beiden Möglichkeiten zur Verfügung steht.

 

Nahrungsinseln zwischen Monokulturen

Sie erfüllen wertvolle ökologische Aufgaben; sind wirkungsvoll gegen Bodenerosion; Windbremse und Feinstaubfilter; sie bieten Pflanzen, Insekten und Kleingetier eine Heimat. Sie sind unverzichtbarer Lebensraum – und stören so gut wie jeden Landwirt, wenn er nicht gerade Biobauer ist.

Störfaktor 1: Schattenwurf auf die angrenzenden Felder. Wo Schatten ist – auch wenn der im Laufe des Tages mit der Sonne wandert – kann der Ertrag geringfügig geringer sein als auf Ackerboden mit voller Sonneneinstrahlung. Da wird dann ganz unverhohlen zur Motorsäge gegriffen und das was stört, auch zu Beginn der Brutzeit oder mitten im Sommer, umgeschnitten. Profit hat Vorfahrt und viele Landratsämter bzw. die dort angesiedelten Unteren Naturschutzbehörden bleiben untätig.

 

Zustand landwirtschaftlicher Nutzflächen

Acker 1Ein seit Herbst brachliegender Acker im Frühjahr nach Schnee und Eis vor der Saat. Das  sichtbare Grün sind vornehmnlich Austriebe von Huflattich und Pferdemelde, zwei sehr hartnäckige „Unkräuter“.

 

TotspritzerUm diesem Aufwuchs den Garaus zu machen, wird Gift gespritzt. Nicht gerade über den ganzen Acker, aber doch reichlich großzügig auch neben den Problemflächen. Zwei Wochen später ist auch der letzte Grashalm gelb und dürr. Lebende Biomasse ist um diese Zeit auf dem Acker nicht mehr auszumachen.

Gülledusche
Gülledusche – Tage vor der Aussaat

Was jetzt folgt vernichtet die Lebewesen in der Ackerkrume, bis zu einem Meter tief. Die ätzende Gülledusche stinkt buchstäblich zum Himmel und tötet jedes Lebewesen, das sie abbekommt. Regenwurm, Assel, Käfer, Larve – es macht keinen Unterschied, der Ackerboden ist für Insekten und Co. unbewohnbar geworden. Das wirklich Schlimme daran ist die Tatsache, daß dadurch eine Humusbildung nicht mehr stattfinden kann. Wenige Tage nach Ausbringung der Gülle wird gepflügt und neu ausgesät; ist die Saat aufgegangen und erreicht der Keimling ein paar Zentimeter Wuchshöhe, kommt die nächste Spritzmitteldusche!

Nahrungssuche auf den Äckern ist also für unsere Vogelwelt im Frühjahr spätestens ab dem Zeitpunkt, zu dem Traktoren nicht mehr im Ackerboden versinken, unmöglich. Achten Sie ruhig einmal darauf, selbst große Vögel wie Krähen, Elstern; Häher, Tauben, Drosseln und Dohlen ziehen Wiesen zur Nahrungssuche vor; sie meiden freie Ackerflächen. Das Dumme ist nur, nach dem frühestmöglichen Grasschnitt erleiden die meisten Wiesen das gleiche Schicksal; schließlich muß die Scheiße ja irgendwo untergebracht werden…


 

Zustandsbeschreibung der Lebensräume

Winterfütterung sollte seit jeher einen Ausgleich schaffen, für das, was in der Schnee- und Frostperiode fehlte: Nahrung. Um eine sinnvolle Antwort auf die Frage der Ganzjahresfütterung zu finden, macht es also Sinn, sich in der Natur außerhalb unserer Ortschaften einmal umzusehen, wie sich die Nahrungssituation für unsere Vogelwelt heute im Wandel der Jahreszeiten grundlegend darstellt.

Diese Betrachtung führe ich ganz subjektiv am Beispiel meines engeren Wohnumfeldes in Niederbayern durch, wohl wissend, daß es in anderen Gegenden Deutschlands anders aussehen kann. Die von mir aufgezeigten grundlegenden Voraussetzungen werden allerdings, davon bin ich überzeugt, überal in Deutschland so oder so ähnlich anzutreffen sein.

Ausgeräumte Flur und weitgehend Monokulturen
Ausgeräumte Flur und weitgehend Monokulturen

Frühling. Mitte März 2010. Schnee- und eisfreie Landschaft, grüne Felder, blühende Wiesen? Irrtum! Grüne Landschaften ja, es ist das Wintergetreide. Blüten auch, aber keine Wiesen, sondern Rapsfelder. Dort wo andere Kulturen angebaut werden sollen, braune, unbedeckte Ackerscholle. Feldraine sind in der ausgeräumten Kultursteppe, wenn überhaupt, dann nur als handschmale Streifen für Grenzmarkierungen zwischen den Anbauflächen erkenntlich. Nirgendwo krautartiger Bewuchs mit Fruchtständen auszumachen. Nun ist ja bekannt, daß manche Körnerfresser um diese Jahreszeit und bei frostfreien Witterungsverhältnissen auf Baum- und Strauchknopsen umstellen. Nur Feldhecken und einzelne Flurbäume sind nirgendwo in Sicht. Samenfresser haben es also schwer in diesen Zeiten; die meisten Insektenfresser sind noch nicht im Land.

kahlgespritzte Feldwege
Totgespritzte Feldwege und gemähte Böschungen

Sommer. Zwischen den einzelnen Feldern und entlang von Straßen und Feldwegen haben es tatsächlich Kräuter, Gräser und Wiesenblumen zu einem spärlichen Bewuchs geschafft. Es ist die Zeit der ersten Straßenpflegemaßnahmen. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten ist es erforderlich, zwischen den Straßenbegrenzungspfosten entlang der Teerpisten den Grasaufwuchs zu mähen. Das wird aber nicht nur dort gemacht, wo es aus Sicherheitsgründen Sinn macht, sondern auch dort, wo das ganze Jahr über höchstens einmal eine Erntemaschine unterwegs ist – entlang der Feldwege. Ja selbst entlang eines Waldsaumes mußte ich eine solche absurde Maßnahme schon feststellen. Und da wird nicht nur der Feldweg optisch verbreitert, sondern auch gleich die sich anschließende Böschung kahlrasiert. In manchen Gegenden geht das sogar soweit, daß Landfrauen mit dem Motor-Handmäher entlang der Felder unterwegs sind, um dort das spärliche Unkraut und die Wildblumen abzumähen. „Weil das gemäht schöner ausschaut“, wie ich mir habe erklären lassen.

Kommen Sie jetzt nicht auf die Idee zu denken, bei dieser Landfrau handle es sich um einen Einzelfall. Übrigens ist eine solche Haltung typisch Fortschritt, noch vor zwanzig Jahren hätte einem jede Bäuerin zu recht einen Vogel gezeigt, hätte man ihr erzählt, sie müßte zwecks besserer Optik die Ackersäume mähen. Heute aber ist man Landfrau, nicht mehr Bäuerin, und als solche hat sie natürlich Besseres verdient, nämlich golfplatzmäßiges Grün entlang der hofeigenen Anbauflächen.

Straßenbauämter zeigen was sie haben...
Straßenbauämter zeigen was sie haben…

Herbst: Die Zeit für schweres Gerät. Landkreise und Kommunen zeigen schon in den Spätsommerwochen, aber spätestens jetzt, was sie an schwerem Gerät  zur „Pflege“ des Straßenbegleitgrüns haben. Mobile Kettensägen und meterbreite hydraulisch gesteuerte Rasenmäher, mit denen sie Bäumen und Sträuchern, den Gräsern, Kräutern und Wiesenblumen zu Leibe rücken. Nichts kommt diesen monströsen Landschaftspflege-Maschinen aus und die Maschinenführer scheuen sich nicht, Boden, Hecken und Bäume in meterweitem Abstand vom Straßenbanklett mit ihren Maschinenauslegern kahl zu scheren. Fragt man nach dem Sinn dieser Maßnahmen kommt unweigerlich das Totschlagargument „Verkehrssicherheit“, allerdings auch dort, wo es sich um schnurgerade Straßenfluchten ohne jedwede Sichtbehinderung durch Bäume oder Sträucher handelt.

grasschnitt-auf-straßenböschungenSpätherbst. Vom Ackerrand bis heran an die Teerkante reicht der Rasenmäher-Ausleger dieser Mähmaschine im Dienste der Straßenbauämter. Abrasiert wird alles, was dem Mähwerk nicht stand- halten kann. Aus Sicht des Naturschützers besonders ärgerlich, daß auch die straßenabseits gelegenen Böschungen gemäht werden und so die letzten Reste von Nahrungspflanzen verschwinden. Als Begründung wird angeführt, daß Schnee auf kurzgeschorenem Gras mehr Halt hat und die Wahrscheinlichkeit seines Abrutschens in den Entwässerungsgraben damit um 10 bis 15 Prozent unwahrscheinlicher ist. Wenn Sie mich fragen, angesichts dieser minimalen Chancenverbesserung nicht nur ökologischer Irrsinn in Reinkultur sondern auch noch pure Verschwendung kommunaler Finanzen. Was bleibt, sind kahlrasierte Böschungen und Seitenstreifen bis knapp neben die Feldränder; kein samentragender Grashalm, kein Kraut oder eine samentragende Wildblume mehr. Selbst unter Sträuchern wird der letzte Halm rasiert. Die Nahrungsgrundlage für unsere Wildvögel in den Wintermonaten ist dahin…

In meiner „Flurschau“ sind ganz offenkundig mit die Hauptursachen für den Artenschwund in unseren Fluren aufgezeigt. Alle die aufgewendeten Mittel zur Erforschung des Artensterbens könnte man sich sparen, würden die Verantwortlichen mit offenen Augen und etwas weniger „fortschrittgläubig“ durch die Welt gehen. Etwas mehr menschliche Vernunft könnte Millionenausgaben für „Biodiversitätsprogramme“ überflüssig machen. So aber wird es nichts werden, mit dem Traum von Arterhalt und lebenswerter Umwelt!


 

Wieder Flamingo-Sichtung am Chiemsee

Flamingos am Chiemsee
Screenshot der Fotobeweise auf „Samerberger Nachrichten“

Bereits am 6. Februar dieses Jahres berichteten die „Samerberger Nachrichten“ über eine kleine „ornithologische Sensataion“ am Chiemsee. Dem Samerberger Fotografen Michael Neukum gelangen ein paar sehr gute Fotos der am „Bayerischen Meer“ seit einigen Jahren immer wieder gelegentlich gesichteten Rosa Flamingos.

Süd-, Mittel- und Nordamerika sowie Europa, Afrika und Südwestasien sind die angestammte Heimat der Flamingos. Der einzige Vertreter der Ordnung, dessen natürliches Verbreitungsgebiet sich auch auf Europa erstreckt, ist der Rosaflamingo. Er kommt an der Atlantikküste Spaniens und Portugals sowie entlang des Küstenbereichs des Mittelmeers, in der